REPLIK: Gratis Busse in Hasselt/Belgien seit 15 Jahren!

Unser Leser Carsten Tölzer hat uns aufgrund unseres Artikel über die Bus/Taxi Liason in Amstetten auf die erfolgreichen Gratis-Öffis in Hasselt aufmerksam gemacht.


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Gratis Busfahrten in Hasselt
 
 
Schwarzfahren abgeschafft

Noch vor 15 Jahren nutzte kaum ein Bewohner der belgischen Stadt Hasselt den öffentlichen Nahverkehr. Dann hatte der sozialistische Bürgermeister die Idee vom kostenlosen Bus und damit bahnbrechenden Erfolg.
 
Auf die Idee, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, kam man vorher nicht. In Hasselt, der Hauptstadt der Provinz Belgisch-Limburg, gab es Mitte der 90er nur zwei Buslinien. Die Busse kamen fast nie, und wenn, dann meistens zu spät. »Fahrende Aquarien« nannten die Hasselter die stets leeren Fahrzeuge scherzhaft (im Mostviertel nennt man es genauso scherzhaft "heiße Luft transportieren").
 
Der fünftgrößte Wirtschaftsstandort Belgiens war landesweit bekannt für seine Staus, die hohe Luftverschmutzung und die meisten Verkehrsunfälle der Region. Und die Busse machten Verlust ohne Ende.

Ganz anders heute: Jeder Verkehrswissenschaftler kennt die belgische 70 000-Einwohner-Stadt. Touristen kommen nach Hasselt, um Busse zu fotografieren. Der Grund: Der gesamte öffentliche Nahverkehr ist kostenlos.

1995 hatte sich der Restaurantbesitzer Steve Stevaert zur Wahl als Bürgermeister gestellt – aus Ärger über die Verkehrssituation in seiner Stadt.
 
Die Devise des Bürgermeisters damals lautete: »Wir brauchen keine neuen Straßen, wir brauchen neue Denkwege.« Er stoppte den Ausbau eines weiteren gigantischen Straßenrings um die Altstadt, investierte das Geld in neue Busse und Haltestellen.

Als das Projekt 1997 anlief, waren alle furchtbar aufgeregt. Im 30-Minuten-Takt rief der Bürgermeister bei seinem Verkehrsbeamten an, löcherte ihn mit derselben Frage: »Wie viele Fahrgäste sind es?«  Erst ein paar Tage später war klar: Anstatt 1000 Fahrgäste pro Tag waren plötzlich 7000 mit dem Bus gefahren. Aus dem Krankenhaus kam die Meldung, dass die Patienten deutlich mehr Besuch bekommen hätten.
Die Linien fahren gezielt soziale Brennpunkte an und bringen die Leute von dort aus in die Innenstadt. Die Busse bringen die Menschen einander näher.
Aus zwei Buslinien sind mittlerweile elf geworden. Alle fünf Minuten hält ein Bus an den Haltestellen, und der verstopfte Stadtring wurde zum »Grünen Boulevard«. Es gibt im Stadtzentrum keinen Stau mehr. Auch die Luftverschmutzung sank deutlich. Bäume wurden gepflanzt und Fahrradwege gebaut. Mit der Infrastruktur veränderte sich auch das Leben der Menschen.
 
Wer zahlt das alles?
»Natürlich kostet das was, aber Menschen haben ein Recht auf Mobilität, abseits von den Regeln des Marktes.« Der öffentliche Nahverkehr wird in der Buchführung der Stadt nicht als Investition registriert, sondern fällt unter die Rubrik »Grundausgaben«. Die Stadt bezahlt jede Fahrkarte, die unter normalen Umständen an den Fahrgast ausgegeben würde. Das sind ungefähr zwei Prozent der Steuergelder, die der Stadt zur Verfügung stehen. Anders gerechnet: Ungefähr 23 Euro pro Familie pro Jahr.

Im Vergleich zu den anderen Ausgaben ist das nicht besonders viel. Der Zuschuss zum örtlichen Kulturzentrum ist zweieinhalbmal so groß. Darüber hinaus musste die Stadt das Bussystem auch mitfinanzieren, als noch niemand die Busse genutzt hat.

Und was hält man davon im MOstviertel?
Könnten nicht Einkaufszentren, Gastronomiebetriebe, Ausflugsziele, Sportstätten, Schulen, Beherberger, Tourismuseinrichtungen.... davon profitieren... und "entstaute, entstresste Menschen" aus uns machen?
 
Auch für die belgischen Popmusik ein Thema:  "Wir kapern einen Gratis Bus"  - mehr haben wir leider nicht verstanden :o)
 
 
 
 
 
 
04.01.2012 20:01:06



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