Ybbsitz: Wie war das jetzt mit Albrecht Dürer's Hasen ??

Ybbstalnews hat die Geschichte über den Ybbsitzer "Dürer Hasen" angekündigt, jetzt erzählt darüber Marianne Fromwald-Kaufmann wie es wirklich war...


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Foto: wikimediacommons
Wo war Albrecht Dürer´s  „FELDHASE“ zwischen 1945 und 1947 ??

Marianne Fromwald-Kaufmann erzählt:

Es gibt da ein großes Geheimnis um diesen grandiosen „Feldhasen“ !! Dies wissen jedoch nur mehr meine Mutter Josefa Kaufmann und ich. Der berühmte Hase kam nämlich überraschend und zufällig in den Kreis UNSERER Familie.
Wie kam das?     
Mein Onkel Franz Xaver Zöch (damals Oberst in Mautern, berittener Soldat) kam 1938 stationär in das Schloss Felsberg-Eisgrub, Lednice-Valtice, welches sich zuvor die längste Zeit, wie eben auch der „Feldhase“ im Besitz der Fürsten von Liechtenstein befand.
Für Johanna, der 18jährigen Tochter des Schlossverwalters ROBERT BILLEK war mein Onkel Franz Xaver,  die „Liebe auf den ersten Blick“.
Johanna war jedoch ein sehr verwöhntes Mädchen. Sie hatte 12 Zimmer, eigene Reitpferde und sämtlichen Luxus der damaligen Zeit zur Verfügung.
Das Luxus-Dasein fand schlagartig sein Ende, als die Rote Armee 1945 anrückte.
Johanna, bereits verheiratet, 2 Kleinkinder (später kam noch ein drittes dazu) flüchtete mit Familie und „Mindest-Hab und Gut“ in einem Zigeunerwagen über Hohenau, in die Kremser Gegend.
Das berühmte Bild vom Dürer-Hasen war  in einer Holzschachtel, versteckt im Heu.
In dem Haus, in welchem sie wohnten, gingen immerzu viele Leute aus und ein und meinem Onkel begann die Sache unbehaglich zu werden und so beschloss er, besagtes Bild zu Tante Justine Herrmann (Schwester seiner Mutter, damals beschäftigt im Emailwerk Riess) nach Ybbsitz zu bringen.
Diese wohnte in der Bahnhofstrasse 101,  (heute Schwemmau 19  Haus des Herrn Michael Simmer).
Das Bild hing dann in der Zeit zwischen 1945 und 1947 völlig ungeschützt, ebenerdig, (bei meist offener Haustüre, wie in Ybbsitz durchaus üblich), rechts von der Tür, in dem Zimmer mit den beiden Fenstern.
Der brave Onkel Franz gab im Wissen des wahren Besitzers, Anfang 1948 das verschwundene Bild dem Fürsten Franz Josef dem Zweiten zurück. Vom großen Fürsten, gab es nicht einmal ein „Dankeschön“, was meinen Onkel Franz bis zu seinem Tod 1980 immer sehr gekränkt hatte.
Er hatte mir persönlich folgende Worte mitgegeben: „Marianne, ich habe dir dieses Geheimnis, seit deinem 6. Lebensjahr immer wieder erzählt, vielleicht kommt der Tag und Du wirst als letzte die davon weiß, doch noch einmal in meinem Namen bedankt.
Indes waren drüben in Tschechien längst alle Unterlagen von der Roten Armee verbrannt.
Nach dem Fall des „eisernen Vorhangs“ wollte Onkel Franz dieses Schloss noch ein letztes mal sehen und fuhr über die nun offene Grenze nach Felsberg. 500 m  vor dem Schloss kam ihm eine Frau mit exakt dem Kinderwagen entgegen, indem seine Tochter Sylvia als Baby so wunderbar die üblen Zeiten verschlafen hatte.
Daraufhin wendete er seinen Wagen. Die Erinnerung hatte ihn eingeholt und mit Tränen in den Augen fuhr er unverrichteter Dinge wieder zurück nach Österreich.
Mir sagte er des öfteren, wenn er bei uns zu Besuch war: „Was wäre wohl gewesen, hätte ich das Bild des „Dürer-Hasen“ nicht restituiert. Niemand wäre etwas abgegangen und vielleicht wäre ich heute ein gemachter Mann, so aber schlafe ich besser!“ ….und ich.....  ich bin heute dankbar und stolz,  dass ich einen so redlichen Onkel hatte.

von Marianne Fromwald-Kaufmann (Ybbsitz)
Die Geschichte stammt u.a. aus ihrem Büchlein "YLSI"  (bei ihr erhältlich)

27.12.2016 15:28:58



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