James "Blood" Ulmer und die Unruhe im Idyll

Stargitarrist James Blood Ulmer war zu Gast in Waidhofen. Das freigeistige Konzert war nicht jedermanns Sache und wirkte kontrapunktisch im Idyll Waidhofens, das mehr mit der Klassik im Bunde ist.


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Dass James "Blood"  zu Diskussionen anregt war vorhersehbar.  Der Weltstar, den das Kulturamt in Absprache mit Kulturbürgermeister Werner Krammer nach Waidhofen lotste, ist nicht nur in einer puristischen Kleinstadt keine leichte Kost. Den Bluesfans zu jazzig, den Jazzern zu freejazzig und dem Klassikfreund sowieso völlig unverständlich.

Trotzdem muss man Bürgermeister und Kulturamtschefin Andrea Lengauer danken, dass sie das Wagnis Mr. Ulmer zu engagieren eingingen. Denn die, die mit dieser Musik etwa anzufangen wussten, waren voll heller Begeisterung. Alle anderen haben zumindest das Bewusstsein erlangt, dass es so etwas auch gibt. Ulmer ist gerade in allen großen Städten Europas auf Tour und Waidhofen als Concert Venue mittendrin als einzige Kleinstadt zwischen München und Paris.

Zu aller Leidwesen: Auf Wunsch des Künstlers musste die Technik einen Hochpegel fahren, der es leider nicht erlaubte, alle Nuancen Ulmer's Gitarrenriffs mit zu bekommen. Zudem ist der Kristallsaal für laute Konzerte alles andere als geeignet.

Der 87jährige US-Jazzer entzog sich bisher jeder Kategorie. Sein Spiel war auch in Waidhofen wie eh und je. "Jagged", also abgehackt und "stinging", mit kurzen stechenden Phrasen. Gewöhnungsbedürftig für den Neuankömmling, erwartet von den Wissenden. Ein Vorteil für jene, die sich vorher "eingehört" haben, was ja heutzutage via Youtube  jederzeit und überall möglich ist. Ulmer denkt keine Linie zuende, er wartet nicht ab, sondern denkt quer und zitiert schon Zukünftiges. Und er zerstört, er lässt es nicht zu, sich an Melodielinien zu gewöhnen. Er fordert sich (und seine hervorragenden Musiker Aubrey Dayle, drums und Calvin Jones, bass), sowie das Publikum.

Conclusio:  Ein  wichtiger Konzertabend in der Ybbstalstadt, ein Mutgeber  (150 Besucher sind großartig für ein derartiges Jazzkonzert in Waidhofen) und eine Aufforderung, diesen Weg ab und zu weiter zu beschreiten. Mit dem Hinweis, der Plenkersaal wäre dazu besser geeignet.


20.03.2017 13:10:43

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